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Inzwischen war Luigi schon ins Geschäft eingedrungen und sah sich um, dann winkte er mich zu sich „So klein wie möglich, so teuer wie möglich. Wir haben keinen so großen Lagerraum“, raunte er mir zu. Dann machten wir uns an die Arbeit. Laptops, Handys, Kameras, I-Pods und Computerspiele waren der Großteil unserer Beute, aber wir machten und auch einige Flachbildschirme zu eigen. Nachdem unser wüstes Treiben so um die fünf Minuten angedauert hatte, sprangen wir in unseren Fluchtwagen, in dem einer von Luigis Kontaktmännern schon bereit saß. Mit quietschenden Reifen schossen wir in die Nacht davon. Ich stieß einen Seufzer der Erleichterung aus: „Geschafft!“ Ich lehnte mich so weit es ging, bevor mir ein I-Pod in den Rücken stach, zurück und entspannte meine Muskeln. Mein Herz schlug mir noch immer bis zum Hals und ich hatte weiche Knie. Mit zittriger Stimme fragte ich: „Und was jetzt?“  „Jetzt bringen wir den Schrott“, er deutete mit einer knappen Kopfbewegung in den Kofferraum, „ zu mir nach Hause in den Keller und dann verkaufen wir´n über´n Schwarzmarkt.“ „Wieso über den Schwarzmarkt?“, fragte ich erneut und ich konnte die Panik in meiner Stimme hören. Der Gedanke an weitere illegale Geschäfte klang für mich nicht sehr verlockend. „Wie willst du´s sonst verkaufen, Trottel? Die Polizei sucht sicher schon morgen nach zweifelhaften Personen, die auf einmal einen Haufen Elektro-Schrott loswerden wollen.“ Resigniert gab ich mich geschlagen. „Ich will doch nur meine 5000“, probierte ich es ein letztes Mal. „Hey von 5000 war hier nie die Rede, Mann“, herrschte mich Luigi an und sein Ton war jetzt kalt und schneidend so wie seine Augen, nichts von dem warmen , vertrauenerweckenden Luigi,  der mich in das Ganze hineingezogen hatte, war übrig geblieben. „Aber-“, stotterte ich überrascht. „Neu-Einsteiger kriegen nie so viel vom Gewinn ab“, meldete sich der Fahrer zu Wort. Ein lodernder Zorn stieg in mir auf, was erlaubten sich die zwei überhaupt? Ich vergaß meine Zurückhaltung und es platzte aus mir heraus: „Du hast mir versprochen ich krieg meine 5000! Halte dich an die Abmachung, oder ich gehe zur Polizei und erzähle ihnen von dir!“ Kaum waren die Worte über meine Lippen gekommen, schon bereute ich es, sie jemals aus gesprochen zu haben. „Hast du das gehört Luigi?“, höhnte dessen Komplize mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen, „der Kleine will dich erpressen.“ „Da legt er sich mit dem Falschen an! Tote Männer beißen nicht, findest du nicht auch?“ „Ich seh´ worauf du hinaus willst“, kam die Antwort. Ich hatte das eben Gehörte noch nicht verarbeitet, da bogen wir schon auf eine Seitenstraße in den Wald ein, neben der Bundesstraße, auf der wir bei unserer Flucht aus der Stadt gefahren waren. Kaum hatten wir angehalten, da sprangen die beiden schon aus dem Wagen und zerrten mich ebenfalls heraus. Schlagartig wurde ich mir meiner Lage bewusst, doch es war zu spät. Mein Sichtfeld verschwamm, als Luigi mir mit derselben Stange, mit der er auch das Ladenfenster eingeschlagen hatte, auf den Kopf schlug. Dann wurde alles um mich herum schwarz.

Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich auf Intensivstation eines Krankenhauses. Ich war von der Polizei, vor der ich geflohen war gerettet worden.

Nachdem mein Gesundheitszustand wieder so weit hergestellt war, dass ich nicht mehr in Lebensgefahr schwebte, kam ein Polizeichef in das mir zugeteilte Quartier. Dieser er erzählte mir, dass man zwei Täter fangen habe können und dass die gesamte Beute wieder in den sicheren Händen des Geschäftsleiters sei. Dann fing er an mir Fragen zu stellen und da ich keine andere Lösung sah, gestand ich ihm alles.

Das ist jetzt schon fünf Monate her, diese habe ich allesamt, sobald ich aus dem Spital draußen war, im Knast verbracht. Zwei Jahre Haft, so lautet das Urteil über mich. Trotzdem bin ich im Gegensatz zu Luigi, den man als einen berüchtigten Seriendieb identifizieren konnte, ziemlich ungeschoren davon gekommen, denn ihm drohen zehn Jahre, obwohl der Prozess noch nicht als beendet gilt. Ich für meinen Teil habe mir meine Fehler eingestanden und habe vor die restliche Zeit, die ich noch absitzen muss, damit zu verbringen, mein Leben mal gründlich zu durchdenken.